fiib® the truth – Compliance ist der Irrweg!

Viele Jahre habe ich Compliance Lehrgänge namhafter Einrichtungen und Unternehmen mit Vorträgen und Lehrtätigkeit unterstützt. Heute ist der Tag, an dem ich dem Thema abschwöre, ja, ganz persönlich und mich ausdrücklich dagegen aufstelle. Compliance ist ein Irrweg. Und wie so viele Irrwege ist dieser verlockend an seinem Eingang ausgebaut. Verlockungen haben jedoch noch nie auf den geraden Weg geführt. Ja, es hat eine Anziehungskraft, sich für die Regeleinhaltung und die Gesetze einzusetzen. Strafgesetze, Arbeitnehmerschutzgesetze, Verbraucherschutzgesetze, ganz allgemein sich für Schützenswertes einzusetzen, fühlt sich richtig an. Der Rahmen einer gesetzlichen Ordnung ist von allen einzuhalten. Korruptionsskandale haben einen Extraschub gegeben. Bau-, Technologie- und Maschinenbaukonzerne haben sich gegen die Gesetze gestellt und mussten der Justiz zugeführt werden.  Und so habe ich gelehrt.  Doch heute empfinde ich mich, tatsächlich in bester Absicht handelnd, missbraucht und auf den Leim gegangen.

An anderer Stelle hier in der Beitragsreihe hatten wir schon die Unterscheidung von Compliance und Integrity kritisch betrachtet. Und diese habe ich mit der Präferenz für die Integrity auch immer unterrichtet. Die Imperative beider Ansätze sind diametral gegenüber gesetzt. Der Gehorche!-Imperativ der Compliance ist kalt, Systemisch und Autotitär. Er steht dem kategorischen Imperativ der menschlichen Integrity gegenüber. Die Menschenbilder sind dies von Funktionären und Befehlsempfängern bei der Compliance und jenes von verantwortlichen, freien und menschlichen Individuen bei der Integrity. Insofern ist durchaus zu wagen, die Konzepte als biblische Gegensätze zu sehen und auch zu behandeln. Einjeder hat die Wahl und heute wähle ich.

Dieser Tage wird die Compliance nämlich um Imperative erweitert, die niemals demokratisch legitimiert worden sind und dazu auch niemals geeignet sind. Hier geht es um Unternehmerverantwortung! – Genannt sei die Begrifflichkeit der „Nachhaltigkeit“ (UN-Recht). Auch dazu wurde in dieser Reihe schon kritisch ausgeführt. Zeitgleich wird das Thema „Whistleblower“ gespielt und eingeführt. Damit soll ermöglicht werden, anonym, also ohne Verantwortung für das eigene Meldehandeln zu tragen, Non-Compliance in Behörden und Betrieben zu melden. Und da wird es gefährlich. Gefährlich für die Wirtschafts- und Betriebsverfassung und das gesetzmäßige Handeln der Behörden und Ämter. Das darf niemals geschehen. Denn mit der Nachhaltigeit stellt sich eine Ordnung über die demokratisch legitimierten Gesetze und legitimiert sich allenfalls nachträglich. Die darin praktizierte normative Kraft des Faktischen nutzt entweder einem Autoritären System oder gesetzlosen Zuständen oder sogar, und das ist aktuell zu beobachten, es geschieht beides gleichzeitig. Schluss mit Compliance. Compliance ist Non-Compliant. Ist ein fataler Irrweg.